Armut ist keine Straftat! – gemeinsame Pressemitteilung des SkF und SKM

Internationaler Tag gegen Armut und Ausgrenzung in Osnabrück

Osnabrück/Dortmund/Düsseldorf 17.10.2018

Unter dem Motto „Menschen mit Armutserfahrungen organisieren sich“ hat in
Osnabrück in Kooperation von SKM Bundesverband und SkF Gesamtverein die
zentrale Veranstaltung zum Internationalen Tag gegen Armut und Ausgrenzung
stattgefunden. In verschiedenen Workshops wurden unter Leitung und Beteiligung
von Menschen mit Armutserfahrungen die Themen „Partizipation“, „Armut ist
weiblich“ und “Umgang mit dem Job-Center“ diskutiert.

„Armut ist keine Straftat, auch wenn dieser Eindruck häufig erweckt wird!“, empörte
sich Robert Trettin, stellvertretender Sprecher der Nationalen Armutskonferenz. Er ist
davon überzeugt, dass sich nichts ändert, „wenn wir nicht selbst auf die Straße
gehen“. Als Experten in eigener Sache müssten Menschen mit Armutserfahrungen
auf Augenhöhe beteiligt werden. „Menschen, die eigene Erfahrungen mit Armut
gemacht haben, müssen auch in zentrale Entscheidungen in Politik und Gesellschaft
eingebunden sein.“

„Der soziale Wohnungsbau, insbesondere für Frauen mit Kindern, muss deutlich
angekurbelt werden. Es müssen mehr Plätze in Frauenhäusern geschaffen und
deren Finanzierung verbessert werden“, fasste Karin Wilke die Forderungen der
Frauen im Workshop „Armut ist weiblich“ zusammen.“ Außerdem seien kostenlose
Weiterbildungen für Frauen zur Nutzung von Medien notwendig. Für Migrantinnen
stellen sich die Fragen nach Kultur und Geschichte in Deutschland sowie nach den
hier herrschenden Gesetzen und den damit für sie verbundenen Rechten. Gleichfalls
forderten die teilnehmenden Frauen Treffpunkte wie beispielsweise Cafés oder
Arbeitslosenzentren, in denen sie Erfahrungen austauschen und sich organisieren
könnten.

Viele Teilnehmenden benannten ihre negativen Erfahrungen mit Jobcentern. Erhard
Beckers, Fachreferent für besondere Lebenslagen und Armutsfragen des SKM
Bundesverbands und Brunhilde Ludwig, Referentin für Armutsbekämpfung und –
prävention im SkF Gesamtverein benannten als wesentliche Forderungen der
Teilnehmenden: „Es müssen Kontrollinstanzen von außen für die Jobcenter
eingerichtet werden, die Rechtsdurchsetzung für Arbeitslosengeld II (ALGII)-
Empfänger deutlich erleichtert und die Antragsverfahren für den Bezug von ALG II
vereinfacht werden. Außerdem müssen Wege zur Stabilisierung der Wohnsituation
von Leistungsbeziehenden gefunden werden, die durch steigende Mieten
insbesondere in Ballungsräumen gefährdet ist. Nicht zuletzt müssen die Regelsätze,
die Mietobergrenzen und die Freibeträge bei der Anrechnung von Einkommen erhöht
werden.“

Sich gemeinsam auszutauschen zu konkreten Erfahrungen von Armut in einem
solchen Format wurde von Teilnehmenden und Veranstaltern als sinnvoll bewertet.
Der 1912 gegründete SKM Bundesverband unterstützt mit seinen 127
Mitgliedsvereinen Menschen in materieller und psychosozialer Not. Die Hilfe richtet
sich insbesondere an gefährdete Jugendliche, wohnungslos und straffällig
gewordene Menschen mit ihren Angehörigen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der
Unterstützung und ggf. rechtlichen Vertretung von Menschen, die ihre Anliegen nicht
selbstständig erledigen können. Hilfe leisten ehrenamtliche und berufliche Mitarbeiter
durch Beratung und Begleitung.

Kontakt/Redaktion:
Erhard Beckers/ Referent Besondere Lebenslagen und Armutsfragen des
SKM Bundesverband
Sternstraße 71-73, 40479 Düsseldorf
Telefon: 0172/6755792
E-Mail: beckers@skmev.de

Der SkF unterstützt mit rund 10.000 Mitgliedern und 9.000 Ehrenamtlichen sowie
6.500 beruflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in bundesweit 143 Ortsvereinen
Frauen, Kinder, Jugendliche und Familien, die in ihrer aktuellen Lebenssituation auf
Beratung oder Hilfe angewiesen sind. Sein Angebot umfasst u. a. 120
Schwangerschaftsberatungsstellen, 91 Betreuungsvereine, 38 Frauenhäuser, 36
Kindertageseinrichtungen, 34 Mutter-Kind-Einrichtungen, 31 Dienste der
Kindertagespflege sowie 22 Adoptions- und 35 Pflegekinderdienste. Der SkF ist
Mitglied im Deutschen Caritasverband.
Kontakt/Redaktion:
Brunhilde Ludwig, Fachreferentin für Armutsbekämpfung/Armutsprävention,
Integration durch Arbeit / Allgemeine Sozialberatung
Sozialdienst katholischer Frauen Gesamtverein e.V.
Agnes-Neuhaus-Str. 5, 44135 Dortmund,
Tel. 0231 557026-10, Fax 0231 557026-60, E-Mail: ludwig@skf-zentrale.de

Über Daniel Schulte

Diplom-Sozialarbeiter, tätig in den Bereichen Sozial- und Erwerbslosenberatung, sowie als Männerberater